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seitenueberschrift
Kategorie: Achern (115-01)
Stichworte: Oberachern,
Quelle: Offenburger Tageblatt
Ausgabe vom: 22.06.2004
Seite: 14

seitenueberschrift

Rätselraten: Was hat das Inferno in Oberachern ausgelöst?
Drei Hallen einer ehemaligen Fabrik zerstört /Schaden beträgt

Nach dem verheerenden Großbrand in einem ehemaligen
Fabrikgebäude in Oberachern ermitteln die Sachverständigen mit
Hochdruck die Brandursache. Bei dem Feuer wurden mehrere Hallen vernichtet, es
entstand Schaden in Millionenhöhe. Ein Feuerwehrmann erlitt eine leichte
Rauchvergiftung.

VON UNSERER REDAKTION MIT FOTOS VON ULRICH MARX


Achern-Oberachern. Rund 400 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst,
DRK, Technischem Hilfswerk und der Polizei waren am Sonntagabend in Oberachern
im Einsatz. Laut Polizeiangaben war eine dicke schwarze Rauchwolke, die
Expertenangaben zufolge nicht giftig gewesen sein soll, kilometerweit zu sehen.
Ein Feuerwehrmann wurde durch den Rauch leicht verletzt. Die Brandursache ist
noch unklar. Wegen der gestern anhaltenden großen Hitze war es noch nicht
möglich, die Brandorte zu besichtigen.


Bei dem Brandobjekt handelt es sich um zusammengebaute Gebäude der
ehemaligen Hanfwerke. Es liegt auf einem sieben Hektar großen Gelände
im Industriegebiet im Acherner Ortsteil Oberachern. Die Firma hat vor mehr als
zehn Jahren die Produktion eingestellt. In dem großen Komplex sind jetzt
verschiedene Unternehmen als Untermieter eingezogen. Unter anderem auch eine
Firma, die sich auf Kunststoffrecycling spezialisiert hat, und eine Schreinerei,
die wertvolle Landhausmöbel herstellt.


Gegen 20.20 Uhr ging im Lagezentrum der Polizei der erste Notruf ein. In der
Folge meldeten sich noch zig Anrufer. Teilweise sogar aus dem 25 Kilometer
entfernten Offenburg berichteten besorgte Bürger am Telefon, dass sie eine
schwarze Rauchwolke sehen.


Beim Eintreffen der Feuerwehr brannte es bereits lichterloh. Als das Feuer an
einer Halle »durchzündete«, wurde explosionsartig ein Rolltor
nach draußen geschlagen. Dieses riss mehrere Feuerwehrmänner um.
Glücklicherweise wurde dabei aber niemand verletzt.


Feuer, überall Feuer


Die Flammen breiteten sich auf einer Fläche von rund 7000 Quadratmetern
aus. Sie zerstörten drei Hallen des Komplexes. Benachbarte
Gebäudeteile wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. In zwei der
ausgebrannten Hallen und auch im Freien davor lagerten Kunststoffe,
Verpackungsmaterial und Styropor. Beim Verbrennen dieser Stoffe entstand eine
weithin sichtbare hohe schwarze Rauchsäule. Eine Gefährdung für
die Bevölkerung war nach Aussage der Spezialisten der Feuerwehr nicht zu
erkennen. Dennoch wurden die Bürger über Rundfunk und durch
Lautsprecherdurchsagen der Polizei aufgefordert, Türen und Fenster
geschlossen zu halten. Denn es war auch Stunden später noch mit
Niederschlag von Russ zu rechnen.


Schreinerei gerettet


Durch gezielten Einsatz konnte die Feuerwehr verhindern, dass die Flammen auf
die Schreinerei übergriffen. Dennoch hatten die rund 250 Wehrmänner,
die aus der Ortenau und den Kreisen Rastatt und Baden-Baden zusammengezogen
worden waren, vier Stunden mit offenen Flammen zu kämpfen. Gegen 3 Uhr
hatte die Feuerwehr die unter Kontrolle.


Neben den Feuerwehren waren vorsorglich Rettungsdienst und über 50
Angehörige der DRK-Bereitschaften vor Ort. Letztere kümmerten sich um
die Versorgung der Einsatzkräfte. Darunter auch das Technische Hilfswerk,
das mit 25 Mann und sieben Fahrzeugen für die Ausleuchtung des
Einsatzraumes sorgte. Die Polizei war mit rund 40 Männern und Frauen im
Einsatz. Das war nötig, um das Brandobjekt abzusperren und die
Schaulustigen zurückzuweisen, die mit ihren Fahrzeugen auf der L 87 einen
zwei Kilometer langen Stau bis zur B 3 in Achern provozierten. Selbst aus den
nahen Rebbergen versuchten einige, einen Blick zu erhaschen.


Auch einen Hubschrauber hatte die Polizei im Einsatz. Der bot unter anderem
auch den Gefahrgutberatern der Feuerwehr eine wichtige Hilfe bei der
Einschätzung der Gefahrenlage durch die abziehende Wolke.


Polizei sucht Zeugen


Die Kripo hat die Ermittlungen übernommen. Vor dem Hintergrund einer
unklaren Brandursache werden aber Zeugen gesucht, die am Sonntag nach 19 Uhr an
den ehemaligen Hanfwerken vorbei gekommen sind. Die Polizei fragt: »Wurden
dort Personen gesehen? Standen Fenster oder Türen offen? Schien sonst etwas
verdächtig zu sein?« Hinweise werden unter 07 81 / 210 erreichbar ist.
Hinweise nehmen aber auch alle anderen Polizeidienststellen entgegen.


ORTENAU


Dienstag, 22. Juni 2004