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seitenueberschrift
Kategorie: Ortenberg (115-34)
Stichworte: Ortenberg,
Quelle: Offenburger Tageblatt
Ausgabe vom: 17.11.2004
Seite: 32

seitenueberschrift

Waren da Grabräuber am Werk?
Verdächtige Spuren an einem der Särge der Adelsfamilie lassen

Haben sich Diebe am Sarg des Schlossherrn Baron de Bussièrre zu
schaffen gemacht? Spuren, die man bei der Eröffnung der Gruft jetzt
entdeckt hat, lassen das zumindest vermuten. Diese fand im Rahmen von
Renovierungsarbeiten statt. Zuvor war die Grablege über 90 Jahre nicht mehr
betreten worden. Am Samstag, 27. November, kann man einen Blick in die
Ortenberger Grabkammer werfen, die gut erhalten ist.

VON VOLKER GEGG


Ortenberg. Die Szenerie mutet an wie in einem Edgar-Wallace-Film: Seit dem
Jahre 1912 ist die Gruft der ehemaligen Schlossherrenfamilie de Bussière
auf dem Bühlwegfriedhof nicht mehr betreten worden. Jetzt musste die
Totenruhe allerdings wegen Renovierungsarbeiten gestört werden.


»Wir wussten vorher nicht, wie viele Särge darin sind, wie's da
drinnen überhaupt ausschaut«, berichtet Bürgermeister Hermann
Litterst über die Aktion, die der eingefleischte Hobbyfilmer Hans Philipp
mit der Kamera aufnahm. Mitarbeiter des Bauhofs hatten zuvor die Steinplatten
weggehievt. Nach der Öffnung zeigte sich, dass die Treppe und das mit roten
Backsteinen erbaute Gewölbe sich im besten Zustand befinden. In ihm sind
vier Särge auf Eisenträgern aufgestellt.


Beim größten Sarg, vermutlich die Grablege des Schlossbesitzers
Baron Gustave Renouard de Bussièrre, sind Beschädigungen erkennbar,
liegen Holzteile vom Sarg auf dem Boden. »Das kommt nicht vom normalen
Verfall«, mutmaßt Bauhof-Chef Klaus Kiefer. »Da hat jemand
versucht, den Sarg aufzubrechen«, ergänzt Litterst. »Als er aber
merkte, dass sich hinter dem Holz noch ein verschweißter Zinksarg befindet,
hat er wohl aufgegeben.«


Und da die Gruft beim Betreten überhaupt nicht beschädigt war, kann
sich der Vorfall nur vor 92 Jahren abgespielt haben. Damals fand nämlich
die letzte Beerdigung eines der vier Kinder der Familie statt, so Litterst
weiter. Doch welcher der beiden Nachfahren sich in den zwei weniger
schmuckvollen Särgen befindet, ist nicht feststellbar. »Normalerweise
sind Namensschilder an den Särgen zu finden, aber hier fehlen sie
gänzlich«, bedauert Litterst.


Herrschaftlich gelebt


Ebenso wenig ist über die Familie de Bussièrre bekannt. Nur so
viel: Gustave Renouard de Bussièrre stammte aus einem französischen
Geschlecht, das Besitztümer im elsässischen Robertsau und in
Reichshoffen hatte. Auf Schloss Ortenberg soll er dann, so der Blick ins
Geschichtsbuch, nach der Ära Berckholtz ein aufwändiges,
herrschaftliches Leben geführt haben, was die Familienfinanzen arg
durcheinandergebracht haben soll.


Als 1888 der Schlossbesitzer das Erbe unter seinen vier Kindern regeln
wollte, übernahm Schwiegersohn Baron Otto von Gustedt das ganze Inventar
für 250000 Mark. »Da es keine Nachkommen gibt, hat sich die Gemeinde
damals verpflichtet, sich um den Erhalt der Gruft zu kümmern«,
erklärt Litterst die Gründe für die Renovierung. Diese wurde vom
Heimat- und Kulturverein Ortenberg organisiert.


Am Samstag, 27. November können Besucher einen Blick in die Gruft
werfen. »Wir werden um 11 Uhr eine kleine Feierstunde abhalten, dann die
Gruft öffnen«, kündigt Litterst diese einmalige Möglichkeit
an. Danach soll das Bauwerk wieder versiegelt werden. »Dann ist nicht mehr
zu erkennen, wo der Eingang liegt«, verweist Kiefer auf die Würde der
Verstorbenen.