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seitenueberschrift
Kategorie: Einzelne Ämter und Abteilungen ( A - Z ) (144-1)
Stichworte: Bürgerbüro,
Quelle: keine Angabe
Ausgabe vom: 01.03.2000
Seite: 23

seitenueberschrift

»Mercedes« wird nicht aufgerüstet


Trotz Schwachstelle Telefon-Service: Vorerst kein Sprachcomputer fürs neue BürgerBüro Alle sind sich einig, dass das BürgerBüro vorzügliche Arbeit leistet. Doch für die Anschaffung eines 105 000 Mark teuren Sprachcomputers, der das gestresste Personal entlasten und Rat suchende Bürger vorübergehend bedienen könnte, kann sich der Hauptausschuss des Gemeinderates derzeit denn doch nicht durchringen. VON HUBERT RÖDERER
Offenburg
. Das BürgerBüro boomt. Meist genügt der bloße Blick in diese zentrale Service-Stelle der Stadtverwaltung im Salzhaus, um das bestätigt zu bekommen. Es gibt dafür aber auch ganz objektive Kriterien. Die nannte Bernhard Schneider, Fachbereichsleiter »Bürgerservice«, am Montagabend dem Hauptausschuss des Gemeinderates. Täglich, von Montag bis Freitag, würden 500 Personen das Büro aufsuchen: »Alle gute Minute kommt jemand rein.« Gewiss, antwortete er auf einen entsprechenden Einwurf von Stadtrat Kurt Feger, würden manche Besucher die Lokalität lediglich aufsuchen, um sich umzuschauen oder sich irgendwelcher Formulare oder Prospekte zu bedienen - und hier würde das Personal selbstverständlich nicht in Anspruch genommen. Doch bei 10,7 Personalstellen »gibt es so gut wie keine Zeit, in der Mitarbeiter ohne Publikum Telefongespräche abwickeln können«. Was manchmal bitter nötig wäre. Aktuellstes Beispiel: Als neulich in der Zeitung stand, dass das BürgerBüro in Sachen Holz-Analyse (PCP-Thema) weiterhelfen kann, hätten am selben Tag 80 Leute angerufen: »Es gab nur noch blockierte Leitungen.« In solchen Fällen könnte ein Sprachcomputer Abhilfe schaffen, hielt Bernhard Schneider ein flammendes Plädoyer: »Der könnte die Anrufer aufklären.« Diejenigen Anrufer, die eben nicht »durchkommen«. Doch der Computer - 105 000 Mark teuer - wäre seinen Preis wert. Es gehe nicht um eine technische Spielerei, sondern darum, durch eine einmalige Investition weitere Personalkosten zumindest vorerst nicht anfallen zu lassen, beziehungsweise die Zufriedenheit der Bürger zu erhöhen. So auch OB Bruder: »Wenn wir den Sprachcomputer nicht anschaffen, werden wir uns was überlegen müssen - oder die Leute sind sauer.« Die Kundschaft also, die anruft und Minuten in der Warteschleife hängt. Bruder will, bei Nichtanschaffung, sogar über eine Stellenvermehrung nachdenken. Sonst nur in Dessau Dass die Anschaffung des Computers Sinn macht, steht für Schneider außer Frage: 54 Stunden sei das BürgerBüro in der Woche geöffnet: »Das gibt's sonst nur in Dessau.« Auch am Freitagnachmittag sei das BürgerBüro geöffnet - anderswo ebenfalls so gut wie nicht der Fall. Dass die Stadtverwaltung per BürgerBüro der Kundschaft dreimal so lang in der Woche zur Verfügung steht wie vorher, und das bei gleichem Personal, darauf machte SPD-Chef Engelbert Heck voller Anerkennung aufmerksam. Dass neben der großen Laufkundschaft auch die Telefonkontakte einen so hohen Stellenwert bekommen würden, so die Verwaltung, damit war nicht zu rechnen. Werde dieser Anteil vernachlässigt, bekäme man von den Bürgern bestimmt ein »Negativurteil über den Dienstleistungsservice« zu hören. Jedenfalls hätten sich Telefonservice und Schnelligkeit bislang als die Schwachstelle herausgestellt. Dass im BürgerBüro fleißig gearbeitet wird, daran bestand im Ausschuss kein Zweifel. Doch dass ein Sprachcomputer nun dringend vonnöten ist, dem widersprach die Mehrheit - fast quer durch die Fraktionen. Man räumte bisweilen ein, dass der Computer den »standardisierten Informationsbedarf« (z.B. Öffnungszeiten, Adress-Angaben, allgemeine Auskünfte) personalunabhängig erfüllen könnte. »Doch wir müssen jetzt einfach mal auf dem Teppich bleiben«, so Kurt Feger, »wir haben den Leuten einen Mercedes gekauft, jetzt fahren wir mal ein Jahr damit.« »Es wird sich geben«, glaubt CDU-Kollege Reinhard Schemel, »und wenn sich's trotzdem herausstellt, dass man's braucht, kann man's in zwei Jahren nochmals beantragen.« OB Bruder zog von sich aus den Antrag zurück.