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seitenueberschrift
Kategorie: Fernsehen (451-1) Personen und Familien (9)
Stichworte: Fernsehen, Personen und Familien,
Quelle: Offenburger Tageblatt
Ausgabe vom: 04.04.2005
Seite: 37

seitenueberschrift

Das Rebland wurde ihm zur neuen Heimat

Egon Kappel aus Fessenbach wird heute 80 Jahre

Offenburg-Fessenbach (pb). Einen Großstädter hat es durch besondere
Umstände in das damals kleine Fessenbach verschlagen, wo er eine neue
Heimat fand: Egon Kappel, wohnhaft Winzerstraße 44, begeht heute, Montag,
seinen 80. Geburtstag.


Auch er blieb vom Krieg nicht verschont und musste zum Militär
einrücken. Seine Ausbildung begann bei der Marine in Kiel,
anschließend ging es nach Pillau in Ostpreußen. Zum Einsatz kam er mit
dem Schlachtschiff »Tirpitz« in Richtung Norwegen, doch bei einem
Angriff wurde das Schiff versenkt. Alle geretteten Matrosen durften an
Weihnachten 1944 vier Wochen auf Heimaturlaub, danach ging\\\\\\\'s wieder aufs Schiff.


Zum Kriegsende geriet er in englische Gefangenschaft und wurde 1945
entlassen. Egon Kappel besuchte einen Freund in Villingen. Dort wurde er bei
einer Kontrolle der Franzosen gefangen genommen und nach Südfrankreich
transportiert. Durch Flucht gelang es ihm, wieder zurück in seine Heimat
Berlin zu kommen.


1948 zog es den Jubilar wieder nach Süddeutschland zu seinem Freund, und
er fand in Fessenbach eine Wohngelegenheit im Hause seiner späteren
Ehefrau, die er 1949 heiratete. Egon Kappel arbeitete bei der Besatzung und
wechselte später zur Firma Martin, wo er 38 Jahre bis zu seiner
Pensionierung tätig war.


Obwohl er von Landwirtschaft und Weinbau keine Ahnung hatte, machte er sich
mit dieser Arbeit vertraut. Man kann ihm heute immer wieder mit seinem Traktor
begegnen, wen er ins Feld oder in die Reben fährt. Er freut sich, wenn er
im Herbst die Trauben abliefern kann und eine hohe Öchslezahl erreicht hat.


Wenn man sich mit dem Jubilar unterhält, merkt man, dass er seine
Muttersprache noch nicht abgelegt hat, doch man versteht ihn in Fessenbach
trotzdem sehr gut. Er ist mit seiner Geburtsstadt Berlin noch sehr verbunden.
Trotz der langen Abwesenheit verfolgt er interessiert die Entwicklung in der
Bundeshauptstadt.


Seine Jugendjahre waren bescheiden, denn er wuchs mit sieben Geschwistern
auf, doch er denkt gerne an diese Zeit zurück.


Egon Kappel integrierte sich schnell in die Dorfgemeinschaft. Er war 27 Jahre
Schriftführer des Musikvereins und schrieb mustergültige Protokolle.
Für seine langjährige Zugehörigkeit zum Verein wurde er zum
Ehrenmitglied ernannt. Als passives Mitglied gehört er dem Gesangverein
»Liederkranz« Fessenbach an.


In seinen Mußestunden spielt er als Ausgleich gerne auf der Heimorgel,
und als Laiendichter überrascht er seine Freunde oft mit Gedichten.
Große Freude bereiten ihm die Glückwünsche von Sohn und Tochter
mit Familien sowie vier Enkelkindern. Diesen Wünschen schließen sich
die Dorfgemeinschaft und viele Freunde und Bekannte an.


OFFENBURG / REBLAND


Für Michael Forscht war das Frühlingskonzert des Musikvereins
Ebersweier ein gelungenes Debüt am Dirigentenpult. Fotos: Volker Gegg